Tamara Müller, Begleitung in der Einsatzstelle

Freiwillige

Tamara Müller hat bis jetzt drei Freiwillige aus dem FSJ Kultur im Jugendzentrum Geschwister-Scholl-Haus (GSH) begleitet. Alle sind für den Freiwilligendienst nach Berlin gezogen. Wenn sie ankommen, dann sind alle erstmal neu und leben ihr Leben in dieser Stadt. „Der große Kitzel, das Pulsieren und dann noch die Tätigkeit in der Einrichtung kennenlernen“, lacht sie. „Jeder braucht seine Zeit. Mindestens 100 Tage.“ Nach Weihnachten sind dann die Freiwilligen in der Einsatzstelle angekommen. Für Tamara sind Freiwillige Menschen, die ihr was geben: „Denn er unterstützt uns. Und er gibt uns die Möglichkeit, dass er sich entwickeln kann. In dem Rahmen, den wir ihm geben. Ich stell doch keine Arbeitskraft ein, sondern einen jungen Menschen, der sich orientiert.“

Sie ist sich sicher, dass auch Raphael sehr von dem Schritt nach Berlin zu gehen, geprägt wurde. Sein Leben anders leben zu können, da habe ihm der Freiwilligendienst geholfen. „Das sind viele Entwicklungsschritte, die er selber vielleicht noch nicht sieht“, betont sie.

Das Bewerbungsgespräch

Raphael hat seine Strategien sein Leben zu bewältigen, da ist sich Tamara sicher. Der Rollstuhl ist nur ein Teil von ihm und das kann er auch gut ausdrücken. „Das ist etwas, was uns überzeugt hat“, erinnert sie sich. Vor dem Gespräch hatte sie ganz vergessen, dass er im Rollstuhl saß und dann war er einfach da: „ Ich müsste lügen, wenn ich sagte, es macht nichts mit mir. Natürlich macht es was mit mir.“

Sofort ist sie das Haus und Situationen durchgegangen, die Schwierigkeiten mit sich bringen. Das GSH ist nicht komplett barrierefrei. Raphael ist nach dem Bewerbungsgespräch einfach noch den ganzen Tag geblieben. Das war gut und wichtig. Denn so konnte das Team gemeinsam mit Raphael viel klären. Die Treppenfrage, Toilettennutzung und „wir haben sehen können, dass es keine Distanz zwischen den Jugendlichen und Raphael gab.“ Diese Punkte und alle Barrieren des Alltags zu benennen und gemeinsam durchzugehen, ist für Tamara Müller grundlegend: „ Wenn man das nicht macht, ist das für mich auch eine Form von Diskriminierung.“

Weiter erinnert sie sich: „Es war wichtig für mich abzuklären, ob es Auflagen gibt. Der Tamara sitzt mit Raphael und Ulrike an einem Tisch.rechtliche Rahmen in Kombination mit dem, was sich Raphael zutraut und im Team abklären, ob wir das gemeinsam tragen können. Wir sind als Team für die Freiwilligen verantwortlich, ob Behinderung oder nicht.“ Das Team war bereit, denn vor allem war die Sympathie da. Es war spannend zu sehen wie die Kinder und Jugendlichen auf Raphael reagierten. Nur wenige haben regelmäßig mit sichtbaren Behinderungen zu tun. Aber während Tamara erzählt, ist zu spüren: Am Ende ist es vor allem einfach Raphael, der da ist. Und das ist, was zählt.