Ulrike Sári, Begleitung vom Träger

Machen

„Nur Inklusion denken reicht nicht!“, so sieht es zumindest Ulrike, Koordinatorin des FSJ Kultur der LKJ Berlin, dem Verein, der das FSJ Kultur in Berlin und Brandenburg organisiert. „Ich habe mich sehr gefreut, dass Raphael Freiwilliger wird, nachdem ich vor ein paar Jahren einen Bewerbenden im Rollstuhl, der ans Theater wollte, an keine Einsatzstelle vermitteln konnte. Ich hatte damals auch telefonisch versucht, wenigstens ein Theater dafür zu gewinnen, es auszuprobieren, aber ohne Erfolg. Meiner Meinung nach hätte mindestens eines der Häuser das von den Gegebenheiten machen können“, erinnert sich Ulrike. Sie fand das damals sehr unbefriedigend.

Vielfalt

Sie arbeitet im Trägerverbund Freiwilligendienste Kultur und Bildung gemeinsam mit anderen Trägern zum Thema Inklusion. Die Themen Diskriminierung und Zuschreibungen interessieren sie. Um diese Themen geht es auch in ihren Seminaren. Die Seminare, in denen 30 bis 40 Freiwillige aus dem FSJ Kultur in Berlin und Brandenburg für ein paar Tage zusammenkommen, sind für Ulrike „wie eine Blase innerhalb der Gesellschaft. Das hat sie in den Jahren ihrer Tätigkeit festgestellt. „Sie bilden einfach nicht ab, wie Gesellschaft faktisch zusammengesetzt ist.“ Zudem habe sie auch Haltungen der Freiwilligen mitbekommen, die sie elitär fand. Es soll niemandem geholfen werden, sondern allen Menschen die Möglichkeit und das Recht auf gleiche Zugänge und auf Teilhabe gegeben werden. Um auch solche Erkenntnisse mit zu befördern, wünsche sie sich unter den Freiwilligen mehr Vielfalt, damit „mehr passieren kann“. Die Freiwilligen lernen mehr voneinander, wenn sie verschiedener sind. Ulrike ist überzeugt, dass Vielfalt das Bewusstsein verändert und Dinge anders wahrgenommen und anders eingeordnet werden.

Herausforderungen

Das ist auch ein Grund, weshalb Ulrike sich freut, dass Raphael in ihrer Seminargruppe ist. Auf ihn musste sie sich weniger einstellen als ursprünglich gedacht, weil er mit seiner Restgehfähigkeit ziemlich mobil ist. Gleichzeitig ist ihr aber auch wichtig, dass Raphael nicht automatisch allzu viel Aufmerksamkeit von ihr bekommt. Deshalb erkundigt sie sich eher unter vier Augen, ob alles okay sei und signalisiert ihm, dass er sich melden solle, wenn er etwas brauche. Das funktioniert gut.

Aber ernüchternd war die Erkenntnis, dass es für andere Menschen im Rollstuhl bei den Seminaren schon schwieriger geworden wäre. Dabei sollten alle Seminarhäuser und Orte, an denen Bildungstage stattfinden, barrierefrei sein. „Und das ist nicht der Fall“, betont sie. Die meisten Häuser haben einen barrierefreien Zugang und das ein oder andere Zimmer. Aber viele Einrichtungen seien noch nicht besonders für dieses Thema sensibilisiert. Auch in Bezug auf die Einsatzstellen sollte die Teilnahme an Freiwilligendiensten mit immer weniger Hürden verbunden sein. Eindringlich betont Ulrike: „Es kann eben nicht sein, dass am Ende eine Person im Rollstuhl nur in eine Einrichtungen kann, die barrierefrei ist, die aber vielleicht mit ihren inhaltlichen Interessen gar nicht übereinstimmt.“